Geschlechtergerechte Sprache: Es gibt nicht nur Männer in Hessen, das könnte sich mal rumsprechen

Aus Sicht der GRÜNEN im Landtag ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Behörden geschlechtergerechte Sprache verwenden. „Es gibt in Hessen Frauen, es gibt Männer, und es gibt Menschen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuordnen. Offenbar ist das der antragstellenden Fraktion bislang entgangen“, erklärt Vanessa Gronemann, Mitglied im Innenausschuss für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, in der von der AfD beantragten Aktuellen Stunde. „Entgangen ist den 17 Kollegen und der einen Kollegin ja auch die Rechtsgrundlage. So regelt das Hessische Gleichberechtigungsgesetz, dass Rechts- und Verwaltungsvorschriften und dienstlicher Schriftverkehr die Gleichstellung von Frauen und Männern sprachlich zum Ausdruck bringen sollen. Und das Grundgesetz, auf dessen Boden die Kolleg*innen gelegentlich zu stehen behaupten, hält seit 1994 fest: ,Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern.‘ Bei der Volksabstimmung über die Reform der hessischen Verfassung haben sich im vergangenen Jahr fast 90 Prozent der Hess*innen dafür ausgesprochen, diesen Passus auch in die Landesverfassung zu übernehmen.“

„Sprache ist wie die Gesellschaft im stetigen Wandel. Dass wir erst seit relativ kurzer Zeit von Ärztinnen, Lehrerinnen oder Arbeiterinnen sprechen, liegt auch daran, dass viele Berufe für Frauen lange nicht zugänglich waren“, so Gronemann weiter. „Das hat sich dank mutiger und engagierter Frauen geändert, und es ist eine schlichte Notwendigkeit, dass sich das auch in der Sprache von Verwaltung, Behörden und öffentlichen Einrichtungen spiegelt. Seit dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom Oktober 2017 ist auch völlig klar, dass es zum Auftrag des Grundgesetzes gehört, die Rechte von Menschen zu schützen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuordnen. Dabei geht es nicht nur um dümmliche Scherze über Unisex-Toiletten. Es  geht um Wesentliches: um Repräsentanz, um gesellschaftliche Teilhabe, um Menschenrechte.“

 „Ein Weg, Männer, Frauen und alle anderen gleichermaßen zu repräsentieren, ist das Gender-Sternchen. Ob es der Weisheit letzter Schluss ist, bleibt abzuwarten, denn unsere Sprache wird sich auch weiterhin immer wieder ändern. Wenn die antragstellende Fraktion von der Sprache von Goethe und Schiller schwadroniert, kommt der Verdacht auf, dass die 17 Kollegen und die eine Kollegin deren Werke nie gelesen haben. Sonst wüssten sie, dass die deutsche Sprache auch abgesehen von Geschlechtergerechtigkeit vor 200 Jahren eine völlig andere war. Aber wer Goethe will, soll Goethe bekommen: ,Ein jeder, weil er spricht, glaubt, auch über Sprache sprechen zu können‘, schrieb der Dichter. Er hat es nicht anerkennend gemeint.“

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